Alternativmedizin

Heilen durch Fasten

 

Der Verzicht auf Nahrung gehört in Krankheits- und Notzeiten zum natürlichen Repertoire des Körpers. Mit einer Heilfastenkur kann man das eigene Gesundwerden und -bleiben unterstützen.

 

 

Was bewirkt das Fasten im menschlichen Körper?

 

Auf der körperlichen Ebene bewirkt Fasten Reinigung, Krankheitsprophylaxe und Heilung. Zwingt uns etwa akut eine schwere Erkältung ins Bett, so reagiert der Körper idealerweise von selbst mit Fasten und Schwitzen. Wir sollten in diesem Fall dem Bedürfnis nachgeben, nichts zu essen, aber viel zu trinken und Ruhe zu halten, um den fiebernden Körper beim Ausschwemmen der Erreger und Toxine zu unterstützen. Neben akuten können auch lange bestehende, chronische Beschwerden durch Fastenkuren – am besten unter therapeutischer Begleitung – deutliche Besserung und gar Heilung erfahren. Interessant ist, was durch das bewusste Fasten auf der Seelen-Ebene geschieht: Es trainiert Achtsamkeit und Geduld, den freiwilligen Verzicht auf feste Nahrung für eine bestimmte Zeit beizubehalten. Man spürt seine Grenzen, reduziert seine Aktivitäten auf das Wesentliche und schärft den Blick für sich selbst. Wer sich auf diesen Aspekt des Fastens einlässt, kommt zu Klarheit und zu überraschenden Einsichten über das eigene Sein.

 

Wer darf fasten und für wen ist das Fasten nicht geeignet?

 

Grundsätzlich kann jeder Gesunde auf eigene Faust fasten, sofern er sich vorher ausgiebig informiert hat. Eine Ausnahme sind Schwangere und Stillende, die im Interesse ihres Kindes nicht auf Nahrung verzichten sollen.

Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Periodenschmerzen bessern sich oft oder verschwinden durch eine Heilfastenkur – ebenso wie Entzündungen und Pilzbefall, denn Fasten stärkt das Immunsystem und entzieht Pilzen den Nährboden. Unter therapeutischer Begleitung fasten sollte, wer an starkem Übergewicht, Bluthochdruck, an Stoffwechselerkrankungen, Symptomen des rheumatischen Formenkreises oder an Erkrankungen der inneren Organe leidet. Gleiches gilt für Allergien und Autoagressionskrankheiten. Ungeeignet ist das Fasten bei Schilddrüsenüberfunktion, bei Tbc, bei Krebs und Aids in der Endphase sowie für Organtransplantierte – bei letzteren könnte die erstarkende Abwehrkraft zu Abstoßungsreaktionen führen. Die immer wieder angeführten Gegenanzeigen Gicht und Rheuma oder gar das Argument, Fasten baue den Herzmuskel ab, bespricht man am besten mit einem ausgebildeten Fastenleiter. Er wird diese Thesen medizinisch fundiert entkräften.

 

Wie oft und wie lange sollte man fasten?

 

Ein bis zweimal im Jahr, klassisch im Frühjahr und im Herbst. Für Einsteiger empfiehlt sich eine Zeitspanne von ein bis zwei Wochen, für Fortgeschrittene bzw. unter Anleitung die Dauer von drei bis vier Wochen bzw. 40 christlichen Fastentagen. Man kann allein und im Alltag fasten, im Urlaub in einer Fastengruppe, beim Fastenwandern oder in einer Fastenklinik.

 

Wie läuft eine Heilfastenkur ab?

 

An den Fastentagen wird nichts gegessen, sondern lediglich getrunken. Zu Beginn legt man einen oder zwei entwässernde Entlastungstage ein, an denen nur Obst, Gemüse, Reis oder Sauerkraut auf dem Speiseplan stehen, dazu Kräutertees und Wasser. Mindestens sechs Fastentage schließen sich an, bevor sich die Aufbautage mit wenig leichter und frischer Nahrung anschließen. Die Zahl der Aufbautage sollte die Hälfte der Fastentage betragen.

 

Ist Heilfasten eintönig?

 

Das hat der Fastende selbst in der Hand. Vor Kurbeginn legt er fest, ob er mit Tees, Säften oder einer Mischung aus beiden, ergänzt um einen Basensud aus verschiedenen Gemüsen, fasten will. Salz, Zucker, Bohnenkaffee, Früchtetees und Alkohol sind tabu; pro Tag ein Teelöffel Honig und etwas Zitronensaft sind erlaubt. Selbstgepresste Säfte und selbstgekochte Basenbrühen machen die Fastenverpflegung geschmacklich interessanter. Heiße Ingwer- und Fencheltees wärmen und regen den Kreislauf an. Tees aus frisch aufgebrühten Wildkräutern wie Löwenzahn, Brennnessel, Minze, Vogelmiere, Kapuzinerkresse, Klette unterstützen Leber, Galle, Nieren und Lymphe bei ihren Reinigungs- und Ausscheidungsprozessen. Ansonsten sollten beim Fasten Aktivität und Ruhe bewusst abwechseln.

 

Gibt es beim Heilfasten Nebenwirkungen?

 

Mancher Fastende berichtet von anfänglicher Übelkeit, der man allerdings homöopathisch oder mit Hausmitteln wie Haferschleimsuppe, oder Brombeerblättertee gut begegnen kann. Wer länger als eine Woche fastet und mit vielen Giften belastet ist, fühlt sich durch deren Abbau zeitweise müde oder niedergeschlagen, mitunter flackern alte Krankheitsymptome nochmals kurz auf. Bei solchen Fastenkrisen hilft viel zu trinken, Ruhe, Wärme, ein Löffel Honig oder ein frisch gepresster Saft. Ab dem dritten, vierten Tag empfinden die meisten das Fasten als schön; sie erleben sogar eine Art Euphorie. Herzschlag und Blutdruck normalisieren sich, die inneren Organe regenerieren sich, die Haut, anfangs durch verstärkte Ausleitung unrein, verbessert sich, man fühlt sich leicht, wach und gestärkt.

 

Wo gibt es Anregungen und Rezepte?

 

Es gibt empfehlenswerte Literatur, zum Beispiel „Das Heilfasten“ von Otto Buchinger, „Wie neugeboren durch Fasten“ von Hellmut Lützner oder „Das große Buch vom Fasten“ von Dr. Rüdiger Dahlke. Professionelle Anleitung gibt es in Fastenkliniken, Fastenhotels oder bei den Kurangeboten von Fastenärzten und Fastenleitern.

 

Fragen und Antworten: MARTINA PLOTHE

Erschienen in der Beilage „Gesund“ der Ostsee-Zeitung, Juni 2012

www.ostsee-zeitung.de

 

 

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